Monat Mai 2013

Report - News der Projekte aus Palästina/Israel, Albanien und Kolumbien

PALÄSTINA

Aktuelle Lage
Mai. Es ist die Zeit gekommen, die letzten Früchten aus den leeren und kahlen Feldern zu ernten, und die Hirte, die mit der Hitze der ankommenden Sommer ausgehen, sind immer weniger.

Mai ist auch Prüfungszeit und ob und zu sieht man hier in At-Tuwani, unter den Jungen, die aus der Schule in Tuba zurückkommen, Wiederholungen mit den Bücher in der Hand; manche jungen Hirte nehmen die Bücher mit auch wenn sie die Schäfer weiden, und sie lesen sie sorgfältig und mühsam.
Und wenn du sie fragst, wie es in der Schule war, dann nur wenige lächeln und sagen „qullu quais“ (alles in Ordnung), die Mehrheit davon sagt eher „don't ask“. Trotz der Verringerung der Präsenz der Hirte, sind die Gewalttaten der israelischen Bevölkerung nicht weniger geworden. Wieder sind 60 Olivenbäume an einem Vormittag zerstört worden, wie ein anderes Feld in der Nähe von Tuba, wieder ist einen Hirte von der Gewalt betroffen worden, diesmal einen behinderten, 20 Jahre alten Hirte ist angegriffen worden, als er mit seinen Schäfer war. Sogar die Kinder sind davon betroffen worden. Der Mangel an der militärischen Eskorte hat ihnen verpflichtet, längere Runden zu gehen, um ihre Schule zu erreichen, und öfter müssten die Freiwilligen von Operazione Colomba sie bis in die Schule begleiten, weil keine Eskorte kam.
Zwei Kinder haben uns an einem Tag gezeigt, wie die Gewaltlosigkeit die perverse Logik der Gewalt gewinnen kann: sie haben 2 Polizisten auf einen Tee eingeladen, obwohl sie, mit der Hilfe der Armee, den Kindern und ihren Familien den Gang zu ihren Feldern verboten hatten.

Mitarbeit und -leben
Mai ist ein sehr anstrengender Monat für die Gruppe gewesen, weil manche Freiwilligen nach Italien zurück müssten und wegen der Unsicherheit, neue Kräfte hier bei uns haben zu können, da es immer schwieriger ist, ins Land zu kommen. Trotzdem haben wir geschafft, die Notfälle zu verwalten und immer präsent zu sein. Wir waren anwesend, als verschiedenen Delegationen kamen und es gab immer jemanden bereit für Journalisten und internationale Personen.
Wir waren anwesend, als eine gewaltlose Aktion in dem Olivenfeld stattfand, nach dem Angriff.
Wir waren anwesend, als auf den Hügel südlich von Hebron die Angst plötzlich größer wurde, wegen der starken Präsenz von Soldaten und Polizisten und einigen Aggressionen gegen zwei Palästinenser in Tuba.
Wir waren anwesend, als zwei Jungen von der Polizei festgehalten und vernommen worden sind, mit der Anklage, sie hätten Kirsche einer Siedlung gestohlen.
Mai ist ein intensiver Monat gewesen, vor allem in diesen letzten Tagen, aber trotz der täglichen Schwierigkeiten hat die Gruppe die Kraft gehabt, die verschiedenen Krise in Angriff zu nehmen, auch dank des Ankommen zwei neuer Freiwilligen.

Widerstehen
Eine Aggression ist immer etwas Feiges. Wenn dann die Opfer ein junger, 20 Jahren alten, behinderten Mann ist, dann ist die Aggression noch gemeiner. Vor allem wenn der Angreifer von hinten angreift, kühl, ohne davor provoziert geworden zu sein, und dann sofort flieht.
Das ist was einem jungen Hirte vor einem Paar Tagen passiert ist. Niemand hat was gesehen, aber Mohammed hat es trotzdem geschafft, nach Hilfe zu rufen, und in weniger Zeit sind die erste Nothilfe gekommen. Wir sind auch dort gelaufen, leider nach der Aggression.
Als wir ihn gefunden haben, lag er auf dem Boden und er könnte sich nicht bewegen. Mit dem Gesicht auf der Erde, der Arm um dem Kopf, um sich zu verteidigen, er hat nichts gesagt. Wir haben nichts vieles machen können, als die Lage zu dokumentieren, das Ankommen des Krankenwagens, die ersten Hilfe, das Ankommen der Familie, die ersten Fragen, und wir sind dort geblieben bis am Ende, als er ins Krankenhaus gebracht wurde.
Er ist ein paar Tagen zu Hause geblieben, ohne seine typische Freude, Gesprächigkeit, Kuriosität.
Seine Familie hat aber nie aufgehört, weiden zu gehen.
Und nach wenigen Tagen hat auch Mohammed wieder angefangen, seine Schäfer zu weiden, und war plötzlich der Gleiche wie vorne. Ein 20 Jahren alten palästinensischen Hirte, der zwischen die Fragen über Italien, dir zu einem Tee einlädt, auf die Steine und die Gras der Felder.

 

ALBANIEN

Aktuelle Lage
Die politische Situation bleibt sehr gespannt, wegen der kommenden Wahl (Ende Juni), die gerade sehr viel Resonanz in den Medien haben.
Sehr wichtig ist die Rede von den „3 Gesetzen“, die die EU von der albanischen Regierung verlangt hat, um Beitrittskandidat zu werden.
Die 3 Gesetzen regulieren nämlich sehr wichtigen Felder der Demokratie und der Legalität: den Verwaltungsapparat, den Höchstgericht und das Parlament. Die neue Bestimmungen werden am 1. Oktober gesetzlich vorgeschrieben werden, und wir hoffen sie werden eine gute Wirkung auf das Phänomen der Gjakmarrje (Blutrache) haben.
In diesem Monat wurden 5 Personen wegen Hakmarrje (Rache wegen Ehrenverletzung oder Eigentumsverletzung) und wegen Giakmarrje (wörtlich Wiedergewinnung des Blutes, und zwar Ermordungen von Männer einer Familie seitens einer anderen Familie, die einen Mord gelitten hatte, um Gerechtigkeit zu gewinnen). Es ist leider unmöglich die präzise Anzahl von Ermordungen zu nennen, teils wegen der Verschwiegenheit (seitens der beiden Familien) teils wegen des Mangels an offiziellen Registern, die eine Statistik für solche Fälle zeichnen. Deswegen wird man über die Taten nur durch die Zeitungen (die aber keine umfangreiche Version des Geschehens darstellen)  oder durch die Gesprächen mit den Leuten informiert.
Wir möchten eine von diesen Ermordungen beschreiben, weil sie sehr gut erklärt, wie auch unschuldige Personen Ziel der Gewalt werden können. Das Ereignis ist in einem Dorf von Tropoje (Bergen im nördlichen Teil Albaniens) und es hat als Folge die Ermordung eines 18-jährigen Mädchens gehabt, namens Gjuste. Der Vater von Gjuste und der Cousin ihres Vater wohnen nebeneinander und besitzen einigen Felder, die zusammen grenzen. Die Harmonie zwischen den Familien wird von einem Streit um eine Bewässerungskanal gestört. Der Streit, der nach Unzufriedenheiten und Verbitterungen, die in den vergangenen Jahre zurückgreifen, seit einer Weile vererbt war, explodiert plötzlich und dauert nur 5 Minuten. Es gibt keine Zeit, sich zu erklären oder zu reden oder auch sich zu streiten: der Cousin des Vaters von Gjuste nimmt seine Pistole (er ist Polizist) und schießt gegen ihn. Gjuste vorausahnte das Gefahr, und stellte sich vor seinem Vater und wurde erschossen. Sie kam ums Leben.
In 5 Minuten Wut wurde ein junges Leben unterbrochen und ein neuer Kampf zwischen zwei verwandten Familien angefangen.

Mitarbeit und -Leben
In diesem Monat gingen die Familienbesuchen regulär weiter, um das Vertrauen zu verstärken. Wir haben auch eine neue Familie kennengelernt, die seit Jahre in einer Blutrache verwickelt ist. Wir haben auch Begleitungen ins Gefängnis und ins Krankenhaus geführt, mit Personen, die Angst haben, sich freilich zu bewegen.
Wir waren auch in Tropoja, um die Familien zu treffen und neuer Anreiz zu der Versöhnung zu geben, insbesondere für eine Familie, die geholfen werden will.

Auch die Informationsarbeit geht weiter, mit der Kampagne „5000 Unterschriften für das Leben“. Die Termine, die in diesem Monat stattgefunden haben, waren in Scrutari am 12. Mai und in der Umgebung der Stadt. In beiden Fälle gab es eine gute Teilnahme an Personen, was uns zum gewünschten Ziel annähert. Was aber wichtiger ist, man spürt unter den Menschen einen Wille nach Wechsel, der uns überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein.
Dazu wurde Ende des Monats die Pressemeldung auf albanisch veröffentlicht, und wir hoffen ihr so viel Resonanz wie möglich geben zu können.

Die Koordinationstermine mit den anderen Organisationen waren sehr nützlich um die gemeinsame Demonstration am nächsten 14. Juni zu organisieren: der Tagesvorgang wird uns auch zeigen, wie die Koordination unter den Gruppen wirklich funktioniert.

Wir haben auch viele Priester wegen ihrer Arbeit gegen die Blutrache getroffen, und wir hoffen bald eine Gruppe nur aus Religiösen schaffen zu können, damit die Arbeit mit den Familien, die oft wirksam war, aber manchmal nicht konstant oder koordiniert, eine bessere gesamte Wirkung haben kann.

Die Aktivitäten der Frauen- und Jugendgruppe sind im Mai immer kompliziert, weil diese Jahreszeit braucht mehr Leuten und mehr Arbeit auf den Feldern. Wir werden im Juni ein Jahresschlussfest organisieren, und dann werden die Aktivitäten erneut nach ein paar Monaten anfangen.

Im Mai haben wir uns stark auf neue Strategien, um die Versöhnung zu erleichtern, konzentriert. Die Überwindung des Schmerzens, die Achtung und Aufmerksamkeit für die Personen, die einen Verwandten verloren haben oder die, in einer Blutrache verwickelt sind, es sind alle wichtige Teile unserer Arbeit.

Freiwilligen
In diesem Monat, neben der Präsenz von Giulia, Marcello und Laura, waren auch Alice und Tommaso hier bei uns die, nach einem 3-monatigen Aufenthalt, zurück nach Italien gingen. In der ersten Woche kam aber Sara an, die hier bis Ende Juli bleiben wird.
Wir möchten uns herzlich bedanken, wie jedes Monat, mit den lokalen Freiwilligen, die bereits mit konstanten Hilfsbereitschaft und Präsenz der Gruppe helfen, jeder mit Originalität und eigenen Stärke: Sokol B., Francesca K., Dario B..

 

KOLUMBIEN

Nach dem schrecklichen Massaker im 2005, als 8 Personen, unter denen 3 Kinder und der Leader der Friedenskommunität, Luis Eduardo Guerra, brutal ermordet wurden, hatte die Friedenskommunität die Beziehungen mit dem Staat total unterbrochen und hatte 4 Bedingungen gestellt, um erneut ein Dialog mit dem Staat zu haben: der Widerruf der Verleumdungen gegen die Friedenskommunität; die Umsiedlung der Polizei von der Mitte des Dorfes in San Josè de Apartado; die Feststellung der Arbeitsweise der Polizei und der Armee, um neue Menschenrechtsverletzungen zu verhindern; die Schaffung eine Kommission für die Gerechtigkeit und das Respekt der humanitären Zonen. Der kolumbianischen Verfassungsgericht hat (Mai 2012) die Gerechtigkeit solcher Bedingungen erkannt und er hat dem Innenministerium folgendes gemahnt:
die Verleumdungen gegen die Friedenskommunität und ihre Begleitern wider zu rufen;
eines Verfahren zu schaffen, um erneute ähnliche Anklage zu vermeiden;
ein öffentliches Verfahren einzurichten, um den Widerruf vorzustellen.
Der Widerruf betrifft die Verleumdungen, die von höheren Staatsbehörde erklärt wurden, vor allem von ex-Staatspräsident Alvaro Uribe Velez (2002-2010), am 27. Mai 2004 und 20. März 2005, mit der Hilfe falscher Zeugenaussage und Montagen gegen die Friedenskommunität.
Solche schwer wiegenden Deklarationen haben in den letzten 9 Jahren die Verfolgung gegen die Friedenskommunität erschwert.
Seit dem ersten Kontakt mit dem Innenministerium hatte die Kommunität klar gestellt, dass sie einen Widerruf nur seitens des Staatspräsident akzeptiert hätte, eben weil die Anklagen von einem Staatspräsident kamen. Der Innenministerium hatte schon seit April 2013 versichert, dass der kolumbianischen Präsident Santos sich bereits erklärt hatte, den Widerruf persönlich zu machen.
Endlich, nach manche Verschiebungen, kam man zum wichtigen Termin. Die Zeremonie wurde für den 29. Mai abgemacht, in Bogotà. Die Kommunität dürfte mit 32 Mitglieder anwesend sein (die Details wurden nur am 27. Mai Bescheid gegeben, mit größer Störung für die Arbeit auf den Feldern).
Am 29. Mai, am Abend, als die ganze Delegation bereits in Bogotà war, wurde sie informiert, dass der Präsident Santos nicht angekommen wäre: seine Rolle wäre von den Innenminister Fernando Carrillo übernommen worden. Die Kommunität entschloss sich an ihre Position festzuhalten und lehnte die Zeremonie ab. Dagegen wurde eine Pressekonferenz am gleichen Vormittag organisiert, wo die Repräsentanten der Kommunität, unter anderem Padre Javier Giraldo, ihre Meinungen erklärt haben und die Fragen der Journalisten beantwortet haben. Trotz der nicht umfassenden Bedingungen und trotz der Abwesenheit der Kommunität, hielt der Innenminister sein Gespräch für die Zeremonie, als ob es gar nichts passiert wäre. Am Abend haben viele Medien die Nachricht ermittelt, ohne aber die Entscheidung der Kommunität zu erklären – was deutlich zu Missverständnisse in der Öffentlichkeit führen könnte. Dazu hat auch der Ex-Staatspräsident Uribe folgendes auf Twitter geschrieben: «Ich bestätige, dass Terroristen von der FARC und Ausländer Personen von den Friedenskommunitäten benutzt haben». Diese Erklärung scheint gewollt undurchsichtig.
Das Geschehens bringt zu einer erneuten Bruch zwischen der Kommunität und dem Staat: man wird auf eine erneute Entscheidung des Verfassungsgerichtes warten müssen.

Aktuelle Lage – Mitarbeit und -Leben – Freiwilligen
Auf Verlangen des inneren Rates der Kommunität, zwei Freiwilligen von Operazione Colomba haben die Delegation in ihre Reise nach Bogotá begleitet, wo andere zwei Freiwilligen auf sie gewartet hatten.
Im Mai haben die Freiwilligen die Mehrheit ihrer Zeit in San Josecito verbracht, um die Beziehungen mit der Bevölkerung weiter zu verstärken.
Gennaro und Costanza haben bereits ihr 3 monatiges Aufenthalt in der Kommunität beendet und sie werden bald ihren Platz Giorgia hinterlassen, die in den nächsten Tagen, begleitet von Marco, ankommen wird.