Report - News der Projekte aus Palästina/Israel, Albanien und Kolumbien
PALÄSTINA
Der Frühling geht weiter auf den Hügeln von Masafer Yatta, und die heiße Sonne bleicht die grünen Kornfelder aus, und reift die Ähren: ist Erntezeit. Eine schwierige Zeit für diejenigen, die stundenlang unter dem Sonne arbeiten müssen, mit dem Gefahr, die gewaltsame Angriffen ihrer Nachbarn, die israelischen Bewohnern der Vorposten, zu erleiden.
Die Ernte dauert verschiedenen Tagen: man muss ganze Felder nur mit den eigenen Kräften behandeln, und die gesamte Familie arbeitet daran. Die Frauen und die Kindern ernten die Ähren, andere Männer bringen die Schafen ihn, um das Übliche zu fressen, anderen beladen die Eseln mit den Stoßen. Jeder hat seine Rolle und niemandem ist es langweilig in dieser Jahreszeit, die eine der wichtigsten für die lokale Wirtschaft ist. Wir Freiwilligen sind anwesend und wir verbringen die langen Stunden mit ihnen, und wir leben die Mühe mit (Muskeln, die am Abend weh tun und Dorne auf den Händen); auch die Freude teilen wir mit, da wir auch, mit unserer kleinen Hilfe, eine kleine Rolle spielen. Glücklicherweise gab während der Ernte kein Angriff, während in den Randdörfer die israelischen Bewohner haben es nochmal geschafft, ihre Gewalt fantasielos herauszulassen, mit Wasservergiftungen und Angriffen. Der Drück der Kolonisierung wird nicht schwächer, und betrifft das Leben tausender Menschen, die plötzlich nicht mehr auf ihre Felder gehen können weil sie zu „gestrittene Felder“ erklärt worden sind. Es handelt sich um Grundstücke, die die Siedlungsverwaltung für sich nehmen möchte und die von der zivilen israelischen Verwaltung als unbenutzbar erklärt werden, bis der Gerichtshof nicht entschieden hat. Das ganze Verfahren kann auch jahrelang dauern. Man kämpft um die Metern, und die Erde duftet leider immer nach Krieg.
Anfang Aprils wurde ein Mitglieder des Volkskomitee des Wiederstandes verhaftet, und damit hat ein neues gewaltlose Monat angefangen. H. wurde von der Armee verhaftet während er das Recht verteidigte, auf seinen Eigentumsfelder arbeiten zu dürfen, in dem Khelly Tal, ein Ort, der nicht weit weg von Tuwani liegt und dessen Zutritt seit Wochen verweigert wird.
Nach schwierigen Tagen, kehrte man zurück in die Normalität, wenn man überhaupt von Normalität die Rede sein kann. Zwei von unseren Freiwilligen haben die Möglichkeit gehabt, ein Paar Tagen in einem israelischen Kibbuz am den Grenzen der Gaza Streife zu verbringen. Diese Erfahrung hat die ganze Gruppe sehr beeindruckt und sie hat alle noch mehr von der Wichtigkeit Operazione Colomba auch auf die andere Seite des Konflikts, die israelische, zu bringen, überzeugt.
Am Ende des Monats gab es viele Gewalttaten im ganzen besetzen Westjordanland: die Ermordung eines israelischen Siedlungseinwohner, die Ermordung eines Palästinenser, die Verwundung zwei palästinensischen Arbeiter, in der Gaza Streife und in einem orthodoxeren Viertel Jerusalems. Die Angst, uns durch das Westjordanland zu bewegen mit einer solchen Atmosphäre, ist manchmal präsent: eine Kleinigkeit kann hier zu einer Kettenreaktion bringen, die die ganze Bevölkerung und die mutige gewaltlose Kampf gefährdet.
Mitarbeit und -Leben
Auch in diesem Monat hat die Gruppe in einer Notsituation sehr gut gearbeitet: nur ein langfristiger Freiwilliger ist im Moment anwesend, die anderen dürfen in der kurzen Zeit nicht zurückkehren, manche werden für längere Zeit nicht mehr dürfen, wegen Rückführungen.
Die Erntezeit, die zur gleichen Zeit in verschiedenen Dörfer stattgefunden hat, hat uns viele Energien gekostet, aber hat uns viel zurückgegeben. In den gleichen Tagen haben zwei Freiwilligen die Möglichkeit gehabt, zwei Tagen in einem israelischen Kibbuz zu verbringen, 400 Meter von der Gaza Streife entfernt. Die Mühe, ihre Angst verstehen zu können (7 Sekunden braucht eine Rakete von Gaza bis dahin, 7 Sekunden um ins Bunker zu laufen), ihre Geschichte und ihre Nostalgie von einer Zeit, in der mit den Gaza Leute auch gute Beziehungen gab, zu hören hat den Freiwilligen tiefe Spüren gelassen und hat den Konflikt von einer anderen Perspektive gezeigt.
Die Tagen in Tuwani gingen weiter, wie vielen anderen weiter gegangen sind. Mit dem Widerstand der Leuten, und wir neben ihnen. Neben N., der von seinen Felder wegen illegalen Bewohnern der Siedlungen weg müsste, der aber nicht aufgibt und geht am nächsten Tag, und am Tag danach, auf dem gleichen Feld. Immer die gleiche Geschichte, immer die gleiche Gewalt. Die Deja-vù sind zahlreich, aber leider haben die Taten nichts mit der Vergangenheit zu tun. Es ist nicht Vergangenheit die Brunnen der Familien S., in einer Nacht mit Gasöl gefüllt und jetzt unbenutzbar. Der Dorf ist sehr weit weg und ganz isoliert, deswegen sehr oft von der Gewalt der Siedlungen betroffen. Es schaut so aus, als ob sie gut verstanden hätten, auf welche Schwäche anzugreifen: der Sommer tritt ein, und in einer Wüste ist das Wasser das echte Gold.
Widerstehen
Seit 15 Jahren bestellt die Familie von 'Omar ihren Feld von Shab al Shaadi. 15 Jahren sind lang und die Erde hatte die Zeit, von einem fruchtbaren Feld zu einem reinen Ort von Steine und Sand zu werden, zwischen dem israelischen Vorpost von Havat Ma'on und dem palästinensischen Dorf Tuba. 15 Jahre lang hatte diese Familie Angst, sich diesem Feld zu ernähren, wegen den Dröhnungen und den Angriffen. 15 Jahre ohne ein Frucht, auf besseren Zeiten wartend. Ob die Zeiten jetzt besser sind, können wir gar nicht sagen. Was wir aber sagen können, ist das dieses Jahr gab es Früchte auf den Felder, es gab Ähre, die im Winter die Tiere futtern werden, wie es immer gewesen war, als es Normalität gab.
Dieses Jahr hat die Familie von 'Omar das geerntet, was sie in 15 gewaltloses Widerstandes gesät hat.
ALBANIEN
Die aktuelle Lage im Bezug auf dem Phänomen der Blutrache bleibt sehr schwierig. Seit Anfang 2013 ist leider keine Gegentendenz zu sehen auf die Anzahl von Ermordungen und Gewalttaten. Jeden Tag passiert etwas, das zu den Familienrachen zurückgerufen werden kann. Ehrenverteidigung, eine persönliche Rache für ein Diebstahl oder eine Beleidigung, Konflikte, die mit der Arbeit auf den Felder zu tun haben: das ganze bildet den Rahmen, in dem die Ermordungen stattfinden, die wir einfach als „Blutrache“ bezeichnen. Die Lage ist aber sehr komplizierter und kennt viele Unterschieden, die auch auch das Monitoring und die Quantifizierung solcher Verbrechen ganz schwierig machen. Manche Ermordungen werden nicht direkt getan, um „das verlorene Blut zu nehmen“, aber sie sind trotzdem Teil des Familienkrieges. Viele Taten wie Verwundungen, Diebstählen oder Beleidigungen (öfter gar nicht von der Öffentlichkeit gespürt), können den ersten Schritt für ein neues Konflikt sein. In diesen Monaten ist die Regierung sehr mit der EU Bewerbung und mit dem neuen Wahltag beschäftigt und das Problem der Blutrache wird erneut „unter dem Teppichboden“ versteckt.
Nur ein Beispiel, um besser zu verstehen, was Gjakmarrje bedeutet: in einem Dorf neben Lezha einen 63 Jahre alten Mann wurde von zwei Killer ermordet. Es wurde sofort klar, dass es mit einer Blutrache zu tun hatte, weil der Opfer der Enkelsohn eines Mannes war, der für die Ermordung des Vaters des Auftraggebers verurteilt wurde. Diese erste Ermordung ist vor 30 Jahre passiert. Das betont wie das Phänomen tief geankert ist.
Mitarbeit und -Leben
In diesem Monat gingen die Familienbesuche regulär weiter. Wir haben manchen Begleitungen in Gefängnisse und Krankenhäuser gemacht, und wir waren auch in Tropoja, wo wir das Basis für die Sommeraktivitäten gesetzt haben. Langsam aber beständig geht der Weg der Überwindung von Wut und Trauer, und die Früchte davon reifen. In Tropoje folgen wir seit 2 Jahren eine Familie, und man kann die positive Entwicklung sehen. Das ist keine Ankunft, sondern ein Anfangspunkt, um andere Aspekte zu verarbeiten, aber wir sind trotzdem sehr zufrieden mit der bisher gemachten Arbeit und wir schauen hoffnungsvoll an die Arbeit, die vor uns steht.
In diesen letzten Monaten ist klar geworden, dass es wichtig ist, nicht nur mit den Familien zu arbeiten, die gerade eine Blutrache erleben, sondern auch mit den Nachbarschaften und den sozialen Alltagsorte (Schule, Arbeit, Kirche). Die Gemeinschaftsarbeit kann neue interessante Perspektive eröffnen, und kann zu einem freundlicheren Kontext für die Wiederversöhnung bringen. Der soziale Druck spielt eben eine wichtige Rolle in dem Gjakkmarie, weil die Personen und die Familien fühlen sich fast verpflichtet, das brutale Regel zu respektieren. Deswegen hatten wir in letzter Zeit viele Termine mit Priester der Zone: sehr bedeutungsvoll ist es gewesen, den Bischof von Scrutari getroffen zu haben, mit dem wir hoffen, eine neue Synergie aufbauen zu können. Die Perspektive in den nächsten Monate, jetzt noch ein Traum, ist die Schaffung von „Versohnungsgruppen“ aus Priester, Nonnen, bekannte Persönlichkeiten, wir Freiwilligen. Sie sollten dann auf den ganzen Lebenskontext einer Blutrache zwischen Familien arbeiten, um eine Gesamtperspektive des Problems zu haben und es besser überwinden zu versuchen.
In Rahmen der Sensibilisierung der Gesellschaft und der Institutionen, wir haben uns sehr mit der „5000 Unterschriften fürs Leben“ Kampagne bemüht. Die Kampagne ist gerade ein großer Erfolg, sowohl für die gesammelten Unterschriften als auch für die gute Antworten, die wir bekommen. Wir sind nicht nur im Scutari aktiv, sondern auch in Tirana und in Baize und Bardhaj.
Das regelmäßige Treffen der Koordinierungsgruppe zwischen den Organisationen, die sich mit der Thema Blutrache beschäftigen, geht auch weiter und konzentriert sich auf die Organisation der gemeinsamen Demonstration Mitte Juni. Wir haben, zusammen mit vielen anderen, an einer zwei täglichen Schulung teilgenommen, um die Schaffung eines stabilen Netzes zu erleichtern.
Die Aktivitäten der Frauengruppe wurden in diesem Monat von der schweren Arbeit auf den Felder ein wenig gebremst, doch die Frauen sind sehr beschäftigt mit ihrem schwierigen Alltagsleben. In der letzten Woche war aber Padre Gianfranco Testa bei uns, der schon seit Jahren uns und den Familien hilft. Mit ihm haben wir zwei Seminare über die Versöhnung organisiert, einmal für Jugendlichen und einmal für Frauen. Viele Personen haben an den Kursen teilgenommen, auch von den Familien, die nicht gerade in einer Blutrache stehen. Verschiedenen Aspekte der Versöhnung wurden entgegengetreten, wie zum Beispiel die Anerkennung und die Verwaltung eigener Gefühle, das Heilen von Seelenwunden, die Gelegenheit, den Beleidigend als Mensch zu sehen. Am Ende der Aktivitäten gab ein großes Fest für alle, Frauen, Kinder und Jugendlichen.
Der Kurs hat auch dazu gedient, die teilnehmenden Personen an ihr Lebenslage denken zu lassen und ihnen Ressourcen zu geben, um ihren innerlichen Teil besser zu hören. Was auch sehr wichtig war, einige Männer haben auch teilgenommen. Ganz bedeutungsvoll war die Teilnahme zwei Männer: der erste wartet gerade auf die Rache, der zweite sollte die Ermordung seines Vaters rächen.
Freiwilligen
In diesem Monat waren anwesend, neben den langfristigen Freiwilligen Laura, Giulia und Marcello, auch Alice und Tommaso, die die Gruppe und die Aktivitäten des Projekts verstärkt haben. Wie immer fundamental die Hilfe der lokalen Freiwilligen: Dario B. durch die Übersetzung von Texte, Francesca durch ihre Hilfe bei der Frauengruppe und bei der Unterschriftensammlung, Sokol bei der Jugendgruppe, Unterschriftensammlung und bei dem Verständnis der lokalen Kultur. Ihre Konstanz und Hingabe sind so sehr zu schätzen. Ein Dankeschön geht auch an Valentina und Irene für die Hilfsbereitschaft. Kurz doch sehr bedeutungsvoll war auch die Präsenz Fabrizio, der hat der Gruppe und dem Projekt viele Energien gegeben.
KOLUMBIEN
Die kolumbianische Nationalarmee ist für die Taten des 21. Februar 2005 (das Massaker, an dem 7 Friedensdorf-Mitglieder brutal ermordet wurden) verantwortlich. Jorge Molano, ein Anwalt, der gerade die Prozessen folgt, hat in den letzten Wochen die Ergebnissen der Ermittlungen dem Friedensdorf mitgeteilt. Aus der Analyse von Geheimdokumenten, in den Archiven der Nationalarmee gelagert, kommt die brutale Wahrheit aus, und zwar, dass die Verbrechen dessen 21. Februar keinen einzigen und beiläufigen Fall widerspiegelten, sonder dass sie Teil einer präzisen militärischen Politik waren, die von den höheren Behörden entschlossen wurde. Offizier, Unteroffizier und Soldaten wurden (und werden noch) mit ausgewählten Materialien geschult, um die Staatsfeinden besser zu erkennen. Im Laufe der Ermittlungen ist ein militärisches Buch gefunden worden, das Februar 2002 von dem militärischen staatlichen Schulzentrum Escuela de Armas y de Servicio veröffentlicht wurde, mit dem Titel: Comunidades de Paz, Friedensgemeinschaften. Das heißt, die Friedensgemeinschaften hatten schon 2002 eine spezielle Interesse der Armee geweckt.
Ab heute wurden nur wenigen Offizieren und Soldaten für die Verbrechen verurteilt, aber die echten „Köpfe“ der ganze militärischen und para-militärischen Operation sind nicht von dem Gerichtshof berührt worden. Das letzte Ziel der Ermittlungen ist den ex-Präsident Alvaro Uribe Velez, den Vizepräsident und den Kommandos der Armee schuldig für den Verbrechen des 21. Februar 2005 zeigen zu können .
Aktuelle Lage – Mitarbeit und -Leben – Freiwilligen
Im April haben die Freiwilligen der Operazione Colomba längere Zeit in San Josecito (der Hauptdorf der Friedensgemeinschaft) verbracht. Um die Mitglieder besser kennen zu lernen, hat man vieles organisiert, von spielerischen Nachmittagen mit den Kindern bis Kinoabend.
Die Begleitungen nach Apartadò sind weiter geführt worden, den ganzen Monat lang.
Mitte April ist Andrea zurück nach Italien geflogen, nach 2 Monaten mit uns, die eine gesamte Präsenz von mehr als ein Jahr zuschließen: wir bedanken ihm herzlich für alles was er gemacht hat, und hoffen ihn bald wieder hier in Kolumbien sehen zu können. Monica ist wieder bei uns, dieses mal „begleitet“ von Silvia, eine neue Freiwillige, die die nächsten 3 Monaten bei uns zu Hause bleiben wird.








