Monat März 2013

Report - News der Projekte aus Palästina/Israel, Albanien und Kolumbien

PALÄSTINA

Der Frühling hat begonnen auf den Hügeln südlich von Hebron. Die Wolken, die das letzte Regen bringen sollen, sind gekommen und plötzlich wieder weggegangen, und jetzt können wir den blauen Himmel sehen. Was leider nicht weggegangen ist, ist der Wind des national-religiösen Fundamentalismus, der sich nicht erwarten lässt und gegen die Dörfer kräftig weht.

Während die Angriffen der israelischen Bevölkerung sich täglich vermehren,  finden die Soldaten auch die Zeit uns daran zu erinnern, keine rote Blumen zu fangen: sie werden deutlich besser geschützt als die Palästinensern.
Das Vermehren der israelischen Aggressionen ist ein periodisches Phänomen, das aber zeitlich schwierig zu schätzen ist; es passiert gerade etwas Neues in Israel. Die Anerkennung Palästina  seitens der UNO, die ökonomischen Schwierigkeiten, der letzte Wahltag und die konsequenten Problemen, eine Regierung zu bilden, das alles lässt keine großen Hoffnungen für die Zukunft sehen. In den unmittelbare Zeiten, wegen der neuen Maßnahmen gegen die illegale Einwanderung von Arbeitern, das ganze hat für uns bedeutet, kein touristisches Visum mehr für die lang-zeitlichen                  
Freiwilligen bekommen zu dürfen. Sie sind die Wirbelsäule des ganzen Projektes und behaupten die Möglichkeit, eine konstante Präsenz auf dem Feld versichern zu können. Das ist für uns ein riesiges Problem. Aber das ist wohl Teil der Besetzung, Teil der gefährliche Angst, die wächst, wenn die Sicherheitsstrukturen den Feind schaffen und nicht das Gegenteil. Aber letztlich, wie uns der Soldat an der Grenze sagte, als er unsere Beschwerde widerstand: machen wir nicht das Gleiche in Italien mit den illegalen Einwanderern?     

Zusammenarbeit und -Leben

DCO – und zwar das District Coordination Office – ist jener Teil der israelischen Armee, der sich mit allen Branchen der zivilen Verwaltung in der C-Zone (die palästinensischen Geländer unter militärischer und ziviler Kontrolle Israels) beschäftigt: Arbeitserlaubnis, Baugenehmigungen, Abrissen. In diesem Monat sind wir leider sehr oft mit seinen Offiziere in Kontakt getreten, sowohl wenn sie Stop Working Orders gesamten palästinensischen Dörfern ablieferten, als auch,
obwohl schon über illegale Bauarbeiten in den israelischen Siedlungen informiert, sie gar nichts dagegen taten und in die anderen Richtung gingen.
Am 6. März, gegen 9 Uhr in der Früh, haben wir ein Anruf bekommen: es gibt Problemen in Khallet Athaba', ein kleiner Dorf an den Grenzen der Firing Zone 918. Wir laufen hin. Sind sie hier? Nein, ein bisschen weiter weg, neben dem letzten Zelt. Die Armee ist anwesend, auch Offiziere des DCO, zwei elenden Zelten und eine Frauengruppe. Ein Soldat sagt uns, wir dürfen nicht uns ernähren. Wir geben nicht auf und erinnern ihn, dass das israelische Gesetzt das Video-Aufnahme  erlaubt. „Wisst ihr, wer das Gesetz ist? Er ist das Gesetzt!“ - und er zeigt den DCO Offizier. Wir geben erneut nicht auf. Der Herr Das Gesetzt sagt dem Soldat, uns machen zu lassen. Er füllt ein Paar Module auf, er liefert sie ab, vor ihm die besorgten Augen einer Witwe mit ihren Töchtern. Was möchten sie? Was steht in den auf Hebräisch geschriebenen Dokumenten? Stop Working Orders: wenn du nicht fristgerecht (oft nur 3 Tagen) durch deine Anwälten Berufung einlegst, dann könnte in jedem Moment ein Bulldozer kommen und dein Haus zerstören. Die Offiziere reden nicht mit der Bevölkerung, und letztlich, für Israel wohnt hier kein Mensch. Sie gehen weiter durch jedes Gebäude: füllen das Dokument auf, lassen es unter einem Stein und machen ein Foto währen sie es abliefern. Häuser, Tierhütten, Brunnen, Toiletten, alles: innerhalb einer kurzen Stunden wurde Khallet Athaba' ein Dorf unter Abriss-Gefahr.
Im gleichen Moment, in den illegalen Vorposten von Avigayil und Havat Ma'on alles ist ruhig und die Verbreitungsarbeiten gehen sorgenlos weiter. Das Erbauen zwei neuen Gebäuden, ohne das geringsten Erlaubnis und auf privat palästinensischen Gebiet gelegen, findet Hindernisse nur durch die mutige Arbeit der israelischen Aktivisten von Ta'ayush, die sich zu den Bauarbeiten ernähren, um die Bauentwicklungen zu dokumentieren.  
Die Advocacy-Arbeit über die Firing Zone geht weiter. Um mehr darüber zu wissen und um die Petition unterschreiben zu können: www.nofiringzone918.org

Widerstehen

„Ihr musst jenseits der Straße bleiben. Bleibt jenseits der Straße und es wird keine Problemen geben“ - sagen die Soldaten.

Es wird wohl keine Problemen geben bis dem Tag, an dem jemand entscheiden wird, dass es nicht mehr erlaubt ist, von dem Hügel bergab zu gehen. Und dann vielleicht dass es nicht mehr gestattet ist, auf dem Hügel zu bleiben. Und dann wird der kleine Tal von Khelly, in der Mitte gelegen zwischen dem Vorpost und der Siedlung, Gelände der israelischen Bevölkerung werden.
Aber die Hirte von At-Tuwani haben lieber die Problemen als diese Zukunft.
Schon in den ersten Tagen des Monats war die Lage ganz klar: Bewohnern von den israelischen Vorposten haben die Hirte bedroht, die Frauen beschimpft und die Herde verängstigt. Die anwesenden Soldaten, fast allen Reservisten, verstanden die Lage nicht: hätte nicht das Gegenteil sein sollen? In den nächsten Tagen, der Sicherheitsverantwortlicher für das Vorpost hat alles Mögliches gemacht um die Situation zu schärfen. Am 15. März wurden zwei Minderjährigen verhaftet mit einer lächerlichen Anklage. Normalerweise in solchen Fälle, bezahlt man sofort die Kaution, um die Gewalt der Gefängnissen zu verhindern: an dem Tag, für das erste Mal, haben Söhne und Eltern entschieden, diesen Kompromiss abzulehnen: sie sind unschuldig und werden deswegen nicht bezahlen. Nach wenige Tagen sind sie beurteilt worden und freigesprochen worden. Es ist ein kleines Ergebnis, das eine riesige und einfache Wahrheit schreit: man kann es tun.

Das Volkskomitee des Widerstandes hat begonnen, gewaltlosen Aktionen auf dem Hügel von Khelly zu machen. Ziel ist es, eine Schutzhütte für die Kinder der School Patrol, die jeden Tag mit einer militärischen Eskorte zur Schule gehen müssen, zu erbauen. Der erste Versuch brach der ganzen Dorf auf den Hügel: Männer, Frauen, Kinder gehen hoch und bauen den Zelt auf. Die Soldaten kommen und verbringen den größeren Teil ihrer Zeit die palästinensischen Fahnen wegzunehmen. Die Kinder holen sie wieder, und stellen sie wieder an ihren Platz. Dann fängt es wieder: die Zone wird zu „militärische geschlossene Zone“ erklärt, und die Soldaten mahnen allen, wegzugehen, und zerstören den Zelt.
Was die Soldaten nicht wissen, passiert am nächsten Tag: die Schüler von At-Tuwani sind wieder dort um den Zelt wider aufzubauen: man widersteht. Diesmal sind die Soldaten deutlich nervöser, haben keine Lust die Gesänge der Kinder zu hören und drohen, Tränengäser zu schießen. Die Kinder gehen langsam weg, weil die Frauen bleiben noch ein bisschen, nur um zu betonen, das der Tal ihnen gehört. Diesmal wird das Material beschlagnahmt und so geht der „Zelt von Michele“, finanziert von Anna Zanzari als Erinnerung für den frühzeitig gestorbenen Sohn, weg mit den Armeewagen.
Was sie erneut nicht wussten, passiert eine Woche danach: das Freedom Bus ist in At-Twuani angekommen und etwa 20 Internationalen gehen eine neue Schutzhütte zu erbauen, genau am Ort wo der erste Zelt war; die junge Männer, die verhaftet wurden, sind zurück mit ihren Schafen; eine Demonstration geht durch die Firing Zone 918, um das Recht auf Dasein und auf Bleiben deren Bewohner zu schützen.
Sie wüssten nicht das, was die Soldaten oft nicht kennen: so funktioniert der gewaltlose Widerstand.


ALBANIEN

In diesem Monat sind zahlreichen sehr blutige Gewalttaten geschehen. Die Anzahl an Ermordungen, unterschiedlich begründet, wird immer größer. Seit Monaten wiederholen wir immer das Gleiche: wir leben einen echten sozialen Notfall, der ständig sich Toten jeder Alter, Geschlecht und wirtschaftliche Situation hinterlässt.

Die letzten Gesetzen, die die Strafen für Ermordung geschärft haben, haben kaum Effekt auf die dramatische Wahrheit geleistet: es scheint als ob die soziale Gewalt eine tägliche Konstanz geworden sei, die zu überleben ist.
Auch die Institutionen sind im Moment nicht so in dem Thema interessiert, und sie reden viel mehr über Politik, da der Wahltag immer näher ist.

Mitte des Monats, bei dem Durazzo-Hafen, wurde einen von den drei Männer, die letztes Jahr zwei Personen ermordet hatten, verhaftet: er versuchte gerade Italien zu erreichen. Die Ermordungen hatten eine Familie getroffen, die wir seit Zeit folgen, und hatten die ganze Kommunität schockiert, da auch ein 17 Jahre alt Mädchen ermordet wurde. Wir hoffen, dass diese Verhaftung einen positiven Schritt sein kann, auch um zur Haft der anderen zwei Personen zu bringen.
Über das Thema des politischen Asyls wegen Blutrache gibt es leider keine große Neuigkeiten; immer mehr Personen versuchen, sei es wegen Armut, sei es wegen Blutrache, das Land (legal oder illegal) zu verlassen.

Zusammenarbeit und -Leben

In diesem Monat haben wir viele Familien in Scrutari und Tropoje besuchen, um auf den Weg der Wiederversöhnung und der Schaffung Vertrauensprozessen weiterzugehen. Wir haben unsere Energien auf zwei Familien konzentriert, damit sie die Gelegenheit der Versöhnung zur Kennung nehmen können. Außerdem, während des Ostern, haben wir mehr Zeit mit deren Familien verbracht, die ein Opfer der Blutrache gelitten haben.
Zahlreichen sind die Hausbesuchen mit der Ärztin gewesen, die schon seit Jahren unseren Familien folgt, und die Begleitungen ins Krankenhaus und ins Gefängnis.
Die „Frauengruppe“ hat sich wieder zwei Mal in diesem Monat in unserem Haus getroffen: sie sind immer mehr einig, und jetzt versuchen sie sich auf der Suche von Wechselmöglichkeiten in dem Alltagsleben zu konzentrieren.
Die „Jugendgruppe“ trifft sich auch regelmäßig, um Fußball zu spielen und um besondere Erfahrungen zu hören, wie zum Beispiel die Geschichte von Sokol, der über sich und seine innere Arbeit, um den Konflikt in seinem Land, Kosovo, zu verarbeiten, erzählte. Die Erzählung hat die Aufmerksamkeit erweckt. Die Jugend haben untersucht, welche Möglichkeiten sie haben könnten, ihre Geschichte von Personen, die den Konflikt leben, erzählen zu können. Bei den nächsten Zusammentreffen werden andere Erfahrungen gezeigt, von Personen, die trotz der schwierigen Lage (Krieg, Gewalt ..) eine konkrete Alternative gesucht und gefunden haben.
In letzter Zeit denkt man auch an eine mögliche „Männergruppe“ von den Familien in Blutrache: man wird versuchen, dank der positiven Personalbeziehungen, einigen konkreten Aktivitäten vorzuschlagen, um eine Arbeitsgruppe bilden zu können.

Auch in März, wie am 12. jenes Monats, hat die Demonstration in Mitte Scrutari für die Sensibilisierung gegen die Blutrache stattgefunden. Der internationale Frauentag hat das Thema für die Manifestation gegeben: wie die wahre Frauen und Männer ihre Stärke im ihren Herzen und in ihre Bereitschaft zur Versöhnung haben, und nicht in dem Hass. Mit der Demonstration hat auch die Kampagne „5000 Unterschriften für das Leben“ angefangen, die als Ziel das Unterschreiben einer Petition hat, die das Staat nach Unterstützung ruft, für eine gewaltlosen und friedlichen Überwindung der Konflikten. Die 5000 Unterschriften sollten bis Ende August gesammelt werden, und dann sie der Media und der Regierung abzugeben. Die Petition, stark symbolisch, will das Thema der Blutrache wieder in die Mitte der sozialen und politischen Diskussion zu stellen.
Mit diesem Ziel, nach der monatlichen Demonstrationen, es werden Events nicht nur in Scrutari sondern auch in Tirana organisiert.

Freiwilligen

In diesem Monat, mit Giulia, Laura und Marcello, waren auch Tommaso und Alice bei uns als Unterstützung; sie sind Anfang März angekommen und werden bis Mitte Mai hier bleiben. In den ersten Tagen sind Mila und Matteo zurück nach Italien geflogen, nach den drei Wochen die sie hier bei uns verbracht haben: wir danken ihnen herzlich für die Mithilfe und die Begeisterung. Wie immer, die Hilfe der lokalen Freiwilligen ist fundamental und deswegen möchten wir Francesca K, Dario B, Sokol, Denis G für ihre Mitarbeit und ihre Konstanz danken, sie haben die Abwicklung vieler Aktivitäten ermöglicht.


KOLUMBIEN


Aktuelle Lage – Mitarbeit und -Leben – Freiwilligen

März ist ein Monat voller Initiativen gewesen.
Am 23. hat man den 16. Geburtstag des Friedensdorfs gefeiert: in den drei Festtagen hat auch eine Sondersitzung der Bauernuniversität des Widerstandes stattgefunden, woran einige Vertreter von diversen Widerstandsgemeinde aus ganzem Kolumbien. Die Geschichte der Bauernuniversität wurde aus einer Idee von Eduard Lanchero geboren, eine der wichtigsten Persönlichkeiten des Friedensdorfs, der letztes Jahr nach einer lagen Krankheit ums Leben gekommen ist.

Die Prinzipien, auf den die Universität gegründet wurde, sind klar und revolutionär: sie gehen in die Richtung, die normalen Voraussetzungen der klassischen Universität zu verkehren. Kein Professor auf dem Lehrstuhl, der alles weißt und seine Weisheit den Studenten verkauft, keine geschlossene Lehrräume wo die Studenten sitzen. Die Bauernuniversität bildet sich auf die direkte Anteilnahme an dem Wissen und will die antike Traditionen und Sitten vor dem tragischen Herankommen des Neoliberalismus (auch in die Bauernwelt) bewahren. Normalerweise finden die Sitzungen der Universität in den verschiedenen Widerstandsgemeinden und im Freien statt.
Die Kenntnisse sind meist nicht theoretisch, sondern praktisch und konkret, um mit den Notwendigkeiten der Bevölkerung am Besten zu passen. Die Wissensfelder sind 4: über das Land, die Lebensmittel und die Technik, über die Gesundheit, über die Erziehung und über das Recht.
Zwei Beispiele: die erste Gruppe hat sich mit dem Herstellen eine kleine Solarzelle beschäftigt, damit auch in den weit entfernten Dörfer die Akkus aufgeladen werden können. Die Gesundheitsgruppe hat sich auf dem Heilen von Krankheiten durch lokalen Pflanzen konzertiert und auf die Vorbereitung von einfachen Kremen und von der „piedra negra“ (schwarzer Stein), womit die Schlangenbissen geheilt werden können.
Auch die Freiwilligen von Operazione Colomba haben aktiv mitgemacht.
Am Karfreitag haben der interne Rat des Friedensdorfs und Padre Javier einen Kreuzweg organisiert, von Apartadò bis zum Friedensdorf, um die Opfer des Widerstandes zu erinnern.
Ostern war für allen ein Festtag, und die Freiwilligen haben Spielaktivitäten im Freien organisiert.

Anfang März sind Monica und Clara nach Italien zurückgekehrt. Clara, die 8 Monaten hier in Kolumbien verbracht hat, wird leider nicht mehr zurückkommen. Wir wünschen ihr das Beste und danken ihr herzlich für alles was sie gemacht hat, was wirklich unbezahlbar ist. Monica, die nie müde ist, wird bald zurück kommen.
Anfang März ist Gennaro angekommen, um das Team (Andrea und Costanza) zu verstärken: seine Lust auf Machen gewinnt gerade die Sympathie von aller.