Monat Januar 2013

Report - News der Projekte aus Palästina/Israel, Albanien und Kolumbien

KOLUMBIEN

Im letzten Jahr haben die italienische und die kolumbianische Armee ein Zusammenarbeitsprojekt für das Jahr 2013 vorgesehen. In Rahmen dieses Projektes werden italienische Soldaten in dem kolumbianischen Wald ausgebildet, sogenannten „Spezialoperationen“ zu führen; gleichermaßen werden kolumbianische Offizier bei den Kriegsschulen des „Bel Paese“ als Gast eingeladen.

Dieses Projekt ist Teil eines größeren Kooperationsplanes zwischen den zwei Armee, für „die Entwicklung der Beziehungen im Sektor der Verteidigung und der industriellen Mitarbeit zwischen Italien und Kolumbien“ - so die italienische Regierung.
„Das ist eine sehr dramatische Neuigkeit“ - schreibt die Assoziation Nuova Colombia - „auch weil das kolumbianische Ministerium, mit der Hilfe der Regierung, den ernsthaften Wille vor sich hat, eine Generalamnestie für die Verbrechen gegen die Menschenrechte anzuregen, Verbrechen die von der kolumbianischen Armee durchgeführt wurden“.
„Pinzon (der kolumbianische Verteidigungsminister) hat öffentlich gesagt, er sei sehr froh, die Erfahrung und die Kenntnissen seiner Armee an einem Staat wie Italien anbieten zu können. Er hat vielleicht vergessen zu sagen, dass solche Kenntnissen den Feld der Korruption, der außergerichtlichen Exekutionen, der Tortur umarmen“.

Das ganze sieht noch schlimmer aus, wenn wir auch die neulich geschaffte Erweiterung des kolumbianischen Militärgerichtshofes in Betrachtung nehmen. Am 11. Dezember hat der Senat diese Ausbreitung zugestimmt und obwohl die Entscheidung nicht endgültig ist, auf jedem Fall bedeutet sie der Gewinn der Regierung Santos und der Armee und der Niederschlag der Organisationen für die Verteidigung der Menschenrechte.
Die Reform wird dem Militärgerichtshof die Fähigkeit und die Aufgabe geben, die Ermittlungsverfahren jeder Kriegsverbrechen fortzuführen. „Es wird die Militärjustiz entscheiden, ob ein Tod eine legitime Kriegsaktion war; das ist ein deutliches Verbrechen gegen die Menschenrechte“ - so Rodrigo Uprimny und Luz Maria Sanchez, des sozio-juristischen Studienzentrums für die Gerechtigkeit.

Aktuelle Situation des Projektes – Freiwilliger

Mit dem neuen Jahr ist Daniele nach Italien zurückgetreten. Seine Sympathie, Engagement und Sensibilität sind preziöse Geschenke für das Projekt und für die Leute gewesen. In der Gruppe ist Clara wieder zurück, nach dem Pausenmonat in Italien, um den Gerechtigkeits- und Friedensweg der Kommunität in San Josecito weiter mitzugehen.
In der ersten Monatswoche hat sich die Kommunität zusammengetroffen, um Eduard Lanchero zu erinnern, 6 Monaten nach seinem Tod. Die ganze Familie Eduards war in San Josecito, wo seine jüngste Tochter, mit anderen Kinder der Kommunität, getauft worden wurde.
Während des Monats sind die Begleitungen und das Monitoring in den verschiedenen Veredas der Friedenskommunität weitergeführt worden, mit einem Focus auf die schwierige Situation in Arenas Altas und La Esperanza, die leider seit Monaten unter der massiven Präsenz paramilitärischer Akteure leiden.
Das Ende des Waffenstillstandes zwischen der kolumbianischen Armee und der FARC hat weitere Angriffe in dem Chocò und auch in den Gebieten neben San Josè verursacht, wo Kriegsaktionen am 6. und 21. Januar geführt wurden, glücklicherweise ohne schwere Konsequenzen für die Einwohner.

 

PALÄSTINA

In den ersten Tagen des Monats hat es viel Regen gegeben, das die neulich gesäte Felder fruchtbar gemacht hat. Mit dem schönen Wetter haben die Hirten wieder begonnen, die Schafen auf das frische Gras zu weiden.
Mit ihren Präsenz hat sich auch diejenigen der Bewohnern der israelischen Siedlung  vermehrt: die Freiwilligen der „Operazione Colomba“ haben fast jeden Tag, auf den palästinensischen Felder neben dem Vorpost von Havat Ma'on, ihre Präsenz registriert.
Glücklicherweise gab es bis jetzt noch keine gewaltsame Attacke, obwohl Drohungen und verbale Angriffen fast jeden Tag passieren. In mehreren Fälle haben die Bewohner des Vorpost die Armee angerufen, um die Schafen der Hirten wegzuschleppen:  das Dazwischentreten der Armee ist am 25. Januar sehr deutlich gewesen, als der Sicherheitschef von Havat Ma'on 10 Soldaten auf die palästinensischen Felder geschickt hat. Die Soldaten haben die Palästinensern aus einer Zone zurückgeschlagen, die normalerweise und von jeder Partei als palästinensisches Eigentum erkannt ist. Die israelischen Offizier haben gemeint es sei verboten, auf die Felder am Wochenende zu weiden, weil es eine Provokation gegen die Bewohner Havat Ma'on darstellte. Die ganze Kommunität von At-Tuwani hat sich vereinigt, um das Recht auf den Zugang dieser Felder zu verteidigen: manche haben mit den Soldaten geredet, um den Grund der Entscheidung zu verstehen; manche anderen haben die ganze Situation gefilmt und dokumentiert.

Auch das Demolieren der Häuser und Gebäuden geht leider weiter: 3 Häuser, ein Zisternenwasser und ein anderes Gebäude sind zerstört worden. Diejenige Palästinensern, die auf dem C-Zone wohnen, dürfen nicht ohne Genehmigung der israelischen Autorität etwas aufbauen, und die Genehmigungen werden fast immer abgelehnt.

Gewaltlose Aktionen

Während des Monats haben die palästinensischen Bewohner der Hügeln südlich von Hebron ihren gewaltlosen Kampf für das Recht auf das Benutzen ihren Felder weitergeführt. Neben den Feldern entstehen die israelischen Vorposten, die auch für den israelische Staat illegal sind.
Fast jede Woche haben die palästinensischen Familien, begleitet von den Freiwilligen, auf den Felder gearbeitet, oder mindestens haben sie es versucht, weil oft werden sie zurückgeschlagen oder sogar angehalten.
Nur in der dritten Woche des Monats hat die Armee 18 Personen festgehalten, unter deren eine Frau mit ihrer 18-Monaten-alt Tochter.   

Die Kampagne „Al Mufaqarah R-Exist“
Al Mufaqarah ist ein Dorf auf den Hügeln südlich von Hebron, wo die Bulldozer der israelischen Armee mehrmals neulich gebauten Häuser demoliert haben. Im Sommer 2012, nach einer Demolierung, haben die Familien des Dorfes entschlossen, in Zusammenarbeit mit dem „South Ebron Hills Popular Commitee“, durch gewaltlosen Aktionen ihr Recht auf das Wohnen zu verteidigen. Nach der Demolierung der Moschee, letzten 4. Dezember, haben die Bewohner weiter Häuser aufgebaut, öfter nur am Abend, nach der alltäglichen Arbeit, damit die Soldaten nichts sehen könnten.

Firing Zone 918
Die Firing Zone 918 ist ein Gebiet auf den Hügeln südlich von Hebron mit 12 palästinensischen Dörfer. Im Jahr 1999 wurden die Dörfer von der Armee geräumt, aber die Bewohner haben es geschafft, durch Gerichtsverfahren, auf ihren Felder zurückzukommen. Im Juli 2012 hat der Verteidigungsminister Ehud Barak das Obere Gericht Israel gefragt, dass 8 von den 12 Dörfer aus militärischen Gründen geräumt werden. Die Räumung dürfte keine Deportation entsprechen weil, nach dem Minister, in den Dörfer würden die Palästinensern nicht stabil wohnen.   
Am 16. Januar haben die Anwälte der „Association for Civil Rights in Israel eine Petition vorgestellt, um die Räumung zu verhindern. Die Regierung hat jetzt 60 Tagen Zeit, der Petition eine Antwort zu geben: in der Zeit dürfen die Dörfer nicht geräumt werden.
Leider ging es schlimmer: 5 Tagen lang haben etwa zweihundert Soldaten mehreren Militärtraining auf den Felder der palästinensischen Bewohner gemacht, mit einer starken Schädigung der Landproduktion. Die Bewohner der Dörfer haben mehrere Nächte kaum geschlafen, weil die Schüsse der Waffen deutlich hörbar waren.  Die Armee hat auch Durchsuchungen in der Nacht geführt: die Familien leiden immer mehr unter der Präsenz von Soldaten.
Während der Tagen haben die Freiwilligen der „Operazione Colomba“ mehreren mutigen Personen zu den Soldaten begleitet.

 

ALBANIEN

Aktuelle Situation
Im Januar ist einen Mann in Rahmen einer Blutrache ermordet worden. Zwei Mörder auf einem Motorrad haben ihn erschossen, weil er auf dem Markt war: vor zehn Jahren hatte der Opfer ein Kind erschossen, und hatte deswegen fünf Jahren im Gefängnis verbracht. Die Mörder sind noch nicht gefunden worden.
Gjin Marku, Präsident des Nationalen Vereins der Bajraktar, wurde für das zweite Mal festgehalten, mit der Anklage, falsche Dokumenten im Austausch von Geld unterschrieben zu haben. Diese Dokumenten bestätigen die Blutrache zwischen zwei Familien und erlauben ein Asylrecht in den europäische Staaten.  
Nur im Januar haben mehr als 500 Familien im Gebiet Tropoja wegen der extremen Armut nach Frankreich emigrieren müssen.

Freiwilligen und Arbeit
Am 17. Januar haben wir an der ersten Familienversöhnung teilgenommen. Der Familienoberhaupt der Familie, die die Vergebung gewährt hat, hat uns gesagt, wir seien aktiver Teil dieses Friedensprozesses gewesen. Solche Wörter helfen uns, weiter zu gehen, und die Zeremonie war rührend, mit den beiden Familien endlich froh und angstlos.

Im Januar gingen die Arztbesuchen und die Begleitungen ins Krankenhaus von Personen, deren Familie in Blutrache steht, weiter. Man merkt immer mehr, dass die Isolierung der Familien nicht nur wegen der Blutrache, sondern auch wegen sozialen und sanitären Problemen verursacht wird. Wegen Armut und Unwissenheit haben sie kein wirtschaftliches und soziales Mittel, die Ungerechtigkeiten und die Problemen zu überwinden. Die Staatspräsenz mangelt, und die Ärmsten zahlen immer den Höchstpreis dafür.

Auch die Begleitungen ins Gefängnis gehen weiter: auch dort herrscht eine wilde Korruption, die wir oftmals gesehen haben.

Wegen dieser Problemen, sind immer mehr die Familien, die entscheiden, Albanien zu verlassen um ein neues Leben in den europäischen Staaten anzufangen: hier haben sie keine Hoffnung mehr, sie können sich eine Zukunft nur ins Ausland vorstellen.

Am 12. Januar haben wir wie jeden Monat eine Demonstration im Zentrum Scrutari gemacht, um die Bevölkerung über die Blutrache zu sensibilisieren. Die Tage danach haben sich die Vereine, die gegen die Blutrache arbeiten, bei unserem Haus versammelt: das Netzwerk der Vereine heißt „Aleanca per Jeta“ („Bündnis fürs Leben“), und wir versuchen gerade es besser zu organisieren, um besser die Blutrache zeigen zu können, vor der Regierung und vor der Bevölkerung.

Freiwilligen

Federica und Francesca sind nach Italien zurückgetreten: sie haben ihre kleine große Spuren in den Projekt gelassen, und sie haben gesagt, sie werden wohl zurückkommen...wir warten auf sie!
Alessandro ist neuer Teil der Gruppe: er ist full-time Freiwilliger in Palästina, und zeigt uns immer mehr, wie die Interaktion unter der Projekten der „Operazione Colomba“ notwendig ist. Auch Ettore aus Savona ist jetzt mit uns, und wird bis Mitte Februar hier bleiben.
Herzlichen Dank an Sokol, immer dabei wenn es um die Jugendlichen geht. Danke auch an Dario und Franceska, für die Übersetzungen und ihre Mitarbeit an der Projekt.